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Die 10 besten Campingplätze in Schweden

Schweden behandelt das Zelten als Grundrecht, nicht als Nischenhobby. Das Allemansrätten — das Jedermannsrecht auf freien Naturzugang — erlaubt jedem, für ein bis zwei Nächte fast überall ein Zelt aufzuschlagen, in jedem See zu baden und auf fremdem Grund Beeren und Pilze zu sammeln, solange er nicht stört und nichts zerstört. Diese Freiheit macht Schweden zum ultimativen Wildnis-Camping-Ziel Europas. Wer dennoch klassifizierte Plätze bevorzugt, findet sie im nationalen Sternensystem bewertet; die meisten guten Plätze betreibt der STF (Svenska Turistföreningen), der schwedische Touristenverein. Eine Zeltstellplatz-Gebühr liegt meist zwischen 200 und 350 SEK pro Nacht, in den beliebten Schären und Fjäll-Stationen etwas höher. Diese zehn Plätze reichen vom arktischen Lappland bis zu den Ostseeinseln und den Buchenwäldern des Südens.

1. Kebnekaise Fjällstation, Lappland

Das Eingangstor zum Kebnekaise, mit rund 2.096 Metern Schwedens höchstem Berg, liegt in einem Gletschertal und ist über einen 19 Kilometer langen Weg von Nikkaluokta erreichbar. Die STF-Bergstation ist die Basis; zelten kann man auf den Wiesen darunter oder tiefer auf dem Kungsleden. Der Südgipfel des Kebnekaise ist ohne technische Ausrüstung begehbar, wenn auch anspruchsvoll; der Nordgipfel verlangt Gletschererfahrung. Nächstes Tor ist Kiruna, etwa 90 Minuten per Straße und Bahn von Nikkaluokta, mit Sommerflügen ab Stockholm. Die Wandersaison reicht etwa von Mitte Juni bis Mitte September. Wer früh kommt, begegnet Restschnee und kühlen Temperaturen, gewinnt aber Stille und das unwirkliche Licht der arktischen Mitternachtssonne, die hier bis Ende Juli den Horizont nicht unterschreitet.

2. Abisko, Lappland

Ein Campingplatz im Abisko-Nationalpark, am Ufer des Torneträsk-Sees und am nördlichen Beginn des klassischen, 440 Kilometer langen Kungsleden. Abisko liegt im Regenschatten der Kjølen-Kette, der den Himmel ungewöhnlich oft klar hält — einer der zuverlässigsten Orte der Welt für Nordlichter vom Spätherbst bis ins Frühjahr. Die Aurora Sky Station, per Sessellift erreichbar, ist die Hauptattraktion des Winters. Das Dorf hat einen eigenen Bahnhof an der Strecke Kiruna–Narvik, man kommt also auch ohne Auto an. Im Sommer führt der Abisko Canyon — ein enger Schluchtweg durch aufgebrochene Fjällkalkfelsen — direkt vom Touristensationgelände in die Wildnis hinein.

3. Stora Sjöfallet, Laponia

Das südliche Tor zum Sarek, im UNESCO-Welterbegebiet Laponia — einer 9.400 Quadratkilometer großen samischen Kulturlandschaft. Direkt hinter dem Platz beginnt echte Wildnis: der Sarek-Nationalpark selbst hat keine markierten Wege, keine Brücken und keinerlei Infrastruktur und ist erfahrenen Trekkern vorbehalten. Die STF-Station hier ist eine weit sanftere Basis, mit Bootsverbindungen über die langen Stauseen Richtung Padjelanta. Sarek gilt als eines der anspruchsvollsten Wildnisgebiete Europas — rund hundert Gletscher, zahlreiche Gipfel über 2.000 Meter und Flüsse ohne Brücken. Wer nur hineinschauen möchte, ohne tage­lang allein unterwegs zu sein, wählt die Bootsroute über den Akkajaure-See als Tagesausflug und bleibt nachts an der STF-Station.

4. Grövelsjön, Dalarna

Eine Bergstation und ein Campingareal an der norwegischen Grenze, in niedrigen, runden Fjälls voller Moltebeeren, Zwergbirken und weidender Rentiere. Leichter und besser erreichbar als der hohe Norden — von Göteborg rund fünf Stunden mit dem Auto —, mit fast derselben Stille. Ein guter erster Geschmack des schwedischen Fjäll-Wanderns für Familien. Tagestouren steigen ins Naturreservat Långfjället; gelegentlich ziehen Moschusochsen aus dem norwegischen Femundsmarka über die Grenze. Der Herbst ist besonders schön, wenn die niedrigen Fjäll in Rot und Gold brennen und die Moltebeeren ihre bernsteinfarbenen Früchte tragen. Die Saison hier ist etwas länger als ganz im Norden: Mitte Mai bis Oktober ist möglich.

5. Fulufjället, Dalarna

Der Campingplatz am Fuß des Njupeskär, mit rund 93 Metern Schwedens höchstem Wasserfall, in einem der ruhigeren Nationalparks des Landes. Eine kurze Fahrt vom Skiort Idre entfernt, aber gefühlt eine Welt davon weg. Auf Fulufjället wächst auch „Old Tjikko", eine Klonfichte, deren Wurzelsystem mit einem Alter von rund 9.500 Jahren zu den ältesten bekannten lebenden Organismen zählt. Das Plateau oben ist offenes Fjäll, die unteren Wege führen durch Urwald mit jahrhundertealten Kiefern und Fichten. Der Weg zum Njupeskär-Fall ist für jeden machbar und bietet die lauteste und nässeste Erfahrung des Parks — bei starkem Regen stäubt der Fall so weit, dass man bereits hundert Meter vorher nass wird.

6. Tiveden-Nationalpark, Västra Götaland

Ein urzeitlicher Blockwald zwischen den großen Seen Vättern und Vänern, mit einem Platz am Parkrand und freiem Zelten im Inneren nach dem Allemansrätten. Tiveden ist klein, dicht und tatsächlich unheimlich — moosbedeckte Gletscherblöcke so groß wie Häuser, dunkle Tümpel und nie gefällte Bäume. Es ist die beste Tieflandwildnis Südschwedens und ein einfaches Wochenende von Göteborg oder Örebro. Der Park liegt nur wenige Kilometer von der E20-Autobahn entfernt, ist aber abseits der Hauptwege kaum begangen. Der Stig-Stigen-Rundweg führt an den schönsten Felsformationen und Seen entlang und lässt sich an einem langen Sommertag bewältigen.

7. Stockholmer Schären — Grinda und Finnhamn

STF-Inselplätze, ein paar Stunden per Fähre von der Stockholmer Innenstadt, bedient von den Waxholmsbolaget-Booten am Strandvägen. Gezeltet wird auf glatten Granitplatten, gebadet in der brackigen Ostsee, und beim Sonnenuntergang ziehen die weißen Schärendampfer vorbei. Das ist die zugängliche Version des schwedischen Wildcampens: kein Auto, kein langer Anmarsch, nur Bootsticket und Zelt. Grinda ist die sanfte, beliebte Option mit gepflegten Wegen und einem kleinen Café; Finnhamn liegt weiter draußen und ruhiger, mit herrlichem Blick auf offenes Wasser. Beide Inseln sind im Juli ausgebucht — Mitte August oder Anfang September ist ruhiger und das Wasser noch warm genug zum Baden.

8. Gotland — Norsholmen und die Fårö-Küste

Plätze entlang der Kalksteinküste von Fårö und Nordgotland, neben den Raukar — den windgeformten Felssäulen, die Ingmar Bergman filmte und zwischen denen er begraben liegt. Die Insel ist der trockenste, sonnigste Teil Schwedens, per Fähre von Oskarshamn oder Nynäshamn (rund drei Stunden) zur mittelalterlichen Hansestadt Visby erreichbar. Im Hochsommer teilt man die Straßen mit Tausenden Radfahrern; das Licht und das Baden sind einzigartig im Land. Gotland hat zudem über 100 Wildorchideen-Arten auf seinen kalkhaltige Böden — eine botanische Besonderheit, die sich von keinem anderen Fleck Schwedens annähernd erreichen lässt. Außerhalb der Hauptsaison wird Gotland ruhig und fast märchenhaft.

9. Söderåsen-Nationalpark, Skåne

Ein Platz bei Skäralid am Rand einer buchenbewaldeten Schlucht, der tiefsten Nordeuropas, eine knappe Stunde von Malmö oder Helsingborg. Das ist die südschwedische Antwort auf den Rest dieser Liste — grüner, sanfter und das ganze Jahr zugänglich statt nur im kurzen Bergsommer. Der Herbst färbt das Buchendach kupfern; der Frühling bringt Bärlauch und Anemonen über den Talgrund. Söderåsen eignet sich gut als Einstieg in schwedisches Camping für alle, die aus dem südlichen Europa anreisen und nicht den ganzen Weg bis Lappland machen wollen. Der Nationalpark ist von der Autobahn E6 schnell erreichbar, was ihn zum idealen ersten Stopp nach der Fähre aus Dänemark macht.

10. Koster-Inseln, Bohuslän

Schwedens einziger Meeresnationalpark, mit Plätzen auf Nord- und Süd-Koster, per Fähre von Strömstad nahe der norwegischen Grenze erreichbar. Die Inseln sind autofrei — nur Fahrräder — mit klarem, kaltem Wasser, glattem rosa Granit und einer der reichsten Meeresfaunen der schwedischen Küste. Das Westküsten-Pendant zu den Stockholmer Schären: rundere Felsen, größere Dünung und das Salz des offenen Skagerraks statt der ruhigen Ostsee. Der Kosterfjord gilt als einer der artenreichsten marinen Lebensräume Nordeuropas; wer hier schnorchelt oder taucht, begegnet Seescheiden, Langusten und Seeanemonen in Tiefen, die man anderswo in Schweden nicht findet. Die Überfahrt von Strömstad dauert unter einer Stunde.

Allemansrätten: die wichtigsten Regeln

Man darf ein bis zwei Zelte für ein bis zwei Nächte auf unbebautem Land aufschlagen, solange man außer Sichtweite von Häusern und weit weg von Feldern, Gärten und Vieh bleibt — Faustregel: mindestens 70 Meter von Wohngebäuden. Offenes Feuer ist bei Trockenheit und direkt auf Felsen verboten, der von der Hitze springt. Bei einem Feuerverbot (eldningsförbud), regional ausgerufen und auf krisinformation.se veröffentlicht, können sogar Campingkocher eingeschränkt sein. Das Recht besteht, weil die Schweden es verantwortungsvoll nutzen. Verhalten Sie sich genauso: alles wieder mitnehmen, keine Spuren hinterlassen.

Saison und Buchung

Die machbare Campingsaison im hohen Norden reicht etwa von Mitte Juni bis Mitte September; außerhalb davon braucht man echte Wintererfahrung und -ausrüstung. Der STF betreibt die Bergstationen und viele Plätze — Stellplätze und Hütten sollte man für Juli und August Wochen im Voraus buchen, wenn der Kungsleden und die beliebten Schäreninseln voll sind. Die Mücken erreichen im Juli in Lappland ihren Höhepunkt, also unbedingt starkes Mittel und ein Kopfnetz mitbringen — oder Ende August kommen, wenn das Schlimmste vorbei und die Moltebeeren reif sind.

Anreise und Praktisches

Wer aus Mitteleuropa anreist, hat zwei klassische Wege: die Fähre von Deutschland (etwa Travemünde oder Rostock nach Trelleborg) bringt das eigene Auto direkt nach Südschweden, ideal für Skåne, Gotland und Bohuslän. Für den hohen Norden ist der Nachtzug von Stockholm nach Kiruna und Abisko die entspannteste Variante; das eigene Auto bleibt im Süden überflüssig, weil die Bahn bis Abisko und Riksgränsen fährt. Innerhalb Schwedens sind die Distanzen groß — von Malmö bis Kiruna sind es weit über 1.500 Kilometer —, daher lohnt es sich, eine Region wirklich zu erkunden statt das ganze Land abzufahren.

Strom an klassifizierten Plätzen ist meist gegen Aufpreis verfügbar, viele STF-Stationen bieten zudem einfache Hütten (stugor) als Alternative bei schlechtem Wetter. In Lappland sollte man unbedingt Bargeld dabeihaben, auch wenn Karten- und Swish-Zahlung verbreitet sind, und die Wettervorhersage von SMHI vor jeder Fjäll-Tour prüfen — im Hochgebirge kann selbst im Juli Schnee fallen. Wasser aus klaren Fjäll-Bächen ist in der Regel trinkbar, im Tiefland und nahe Weiden besser abkochen oder filtern.

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